Fahrradtour Bodensee - Allgäu 2018


Der letzte Brückentag Ende Mai mit Fronleichnam lud nochmals zu einer Kurztour ein. Die Wettervorhersage war etwas gemischt, aber es hat prima geklappt. Sonnenschein und kein Regen. Mein Standardproblem, ohne lange Anreise noch etwas Neues zu finden, habe ich diesmal ignoriert. Bodensee geht immer!

Die Vorplanung der Strecke habe ich mit Hilfe des Tourenplaners von Komoot geplant und zum Offlinegebrauch auf mein Smartphone geladen. Die gesamte Tour Sigmaringen-Bodensee-Allgäu kann durch entsprechendes Anklicken angesehen werden. Die Plankilometer sind nicht ganz identisch mit den gefahrenen Kilometern, da ich in echt auch kleinere Umwege gefahren bin, die auf der Karte nicht dargestellt werden. Die Klammerangaben sind Höhenmeter. 
 

1. Tag: Anreise nach Sigmaringen und Fahrt über Stockach bis Hagnau am Bodensee 77 km   


Die Fahrt von Göppingen zum Zielbahnhof klappte diesmal problemlos. Der Anschlusszug in Ulm wurde erreicht und so stieg ich am späten Vormittag in Sigmaringen aus. Sigmaringen (580) hat ein schönes Hohenzollernschluss und weckt in mir regelmäßig Erinnerungen an meine Bundeswehrzeiten und die eine oder andere schöne Sigmaringerin (gruselig, die sind heute auch alle um die 60, aber so ist das Leben) Im ehemaligen Gartenschaugelände wechselte ich dann in Radlerkleidung und dann ging es vorbei an Laiz (do wohnt unser Minischderbräsident, also der Kretsche) hoch nach Kloster Inzigkofen (630) und hinaus aus dem Donautal auf die Ebene zwischen Donautal und Ablachtal. Von dort ging es hinunter nach Meßkirch (616). In der Altstadt hatte die Fronleichnamsprozession stattgefunden und so fanden sich noch einige schöne Blumenbilder auf der Straße.

Meßkirch hat ein schönes Rathaus und ein großes Schloss. Es gibt also einiges zum Gucken. Die Innenstadt, durch die früher der Verkehr rauschte, ist verkehrs-beruhigt. Ob ihr das in vollem Umfang bekommen ist, fragt man sich. Ein großes geschlossenes Hotel und das eine oder andere, nicht mehr renovierte Haus geben zu denken.

                                  
               Hohenzollernschloss Sigmaringen

Nach einer Besichtigung des Schlosses von außen ging es weiter durch das ziemlich ebene Ablachtal, vorbei an einigen Baggerseen und dann hinab Richtung Bodensee, zunächst nach Stockach (491).  Es war Mittag und so lud eine Pizzeria in der Altstadt zu einer Pizza und einem Radler ein.
In Stockach gibt es während der Fasnet das Narrengericht welches i.d.R. einen Politiker einlädt, der dann seine Untaten vor dem
hohen Gericht verteidigen muss.  

 

                                                                                   MeßkirchSchloss


Nach Stockach geht es nochmal kurz bergauf, bevor es dann endgültig hinunter nach Ludwigshafen am Bodensee (397) geht. Der See hat einfach was und ist immer wieder eine Radreise wert, vor allem natürlich, wie im vorliegenden Fall, bei strahlender Sonne. Der Radweg geht nun sehr schön am See lang und am Bahnhof in Sipplingen gab es ein frei zugäng-liches Uferstück, welches zu einer Badepause einlud.

Erfrischt und ausgeruht radelte ich weiter durch die sehenswerten Orte Überlingen und Meersburg.

               
         Stockacher Narrenbrunnen                       


Da ich die Gegend seit Jugendzeiten kenne, habe ich in den letzt-genannten Orten keine Besichtigungen gemacht.
Wer erstmals dort ist, unbedingt anhalten und gucken. Sehr sehens-wert ist z.B. das alte Schloss in Meersburg mit Geheimgang bis runter zum See. Ich selbst radelte vorbei an der Klosterkirche Birnau in den Abenduntergang hinein bis zum Weinort Hagnau.
Da sich über einem Teil des Sees ein Gewitter zusammenbrauen wollte, bekam der See eine wildromantische, blaugraue Färbung.
Später wurde es aber wieder hell und in Hagnau fand sich tatsächlich trotz langen Wochenendes noch ein freies Bett.

Am Ufer feierte der örtliche Wassersportverein ein Weinfest mit guter handgemachter Jazz- und Dixiemusik. Aufgrund der späten   
                                                                                                                                    Überlingen Rathaus                                               Meersburg altes Schloss               

Abendstunde gab es nur noch Rote vom Grill. Der örtliche Wein, in meinem Fall ein leckerer Weißherbst, mundete jedoch vorzüglich und den schönen Blick auf den Bodensee gab´s gratis dazu. Ein wirklicher gelungener Radlertag ging zu Ende.


2. Tag: Hagnau - Bregenz - Meckatz  90 km

Am nächsten Morgen ging es zunächst weiter bis Friedrichshafen. Der Radweg verlässt leider einige Kilometer vorher den See, da sich noch vor dem Ortseingang Friedrichshafens etliche Betriebe insbesondere der Luftfahrtindustrie befinden, deren Grundstücke bis zum Seeufer reichen. Hinter heutigen Konzernnamen wie Airbus usw. verbergen sich in Friedrichs-hafen u. a. die ehemaligen Dornierwerke. In Friedrichshafen befinden sich direkt am See im ehemaligen Seebahnhof das äußerst sehenswerte Zeppelinmuseum und außerhalb am Flughafen das Dorniermuseum. Für Technikfans gibt es dort also viel zu sehen. Die Stadt selbst ist, weil eben auch schon im Dritten Reich viel Luftfahrtindustrie, praktisch dem Erdboden gleichgemacht worden und etwa im Gegensatz zu Überlingen oder Meersburg städtebaulich nicht attraktiv. In der Stadt angekommen dann unbedingt an der Seepromenade längsradeln, pardon längsschieben :-) .
Nach Friedrichshafen verlässt der Bodenseeradweg mit wenigen Ausnahmen, z. B. Langenargen, leider meistens das Seeufer und erst ab Lindau geht es dann bis Bregenz wieder am See lang.



Lindau
(401), also die Altstadt auf der Insel ist immer wieder einen Besuch wert. Die Lage ist einfach einzigartig und der bayerische Löwe an der Hafeneinfahrt am ansonsten auf deutscher Seite württembergischen oder badischen See auch.                                                       Zeppelinmuseum Friedrichshafen 
 

In Lindau, genauer gesagt unmittelbar am Ortsende Lindaus Richtung Bregenz, wollte ich mir im dortigen Strandbad eine Badepause mit Mittagsschläfchen gönnen. So etwas muss beim Genussradeln sein! Das wäre beinahe schief gegangen, denn das Strandbad wurde komplett neu gebaut, hatte aber an der Eishalle noch einen provisorischen Eingang, sodass es mit dem Sprung in den See und dem Mittagsschläfchen doch noch geklappt hat. Ergebnis der Mittagschläfchens war dann aber auch ein veritabler Sonnenbrand auf dem Bauch!
Glücklicherweise machte sich selbiger erst am Abend bemerkbar, sodass ich zunächst munter nach Bregenz (427, offen-bar steht das Rathaus in Bregenz nicht auf Seehöhe) weiterradelte und froh über die offene Grenze war. Die Fahrt durch Österreich war nämlich ein spontaner Einfall und meinen Personalausweis hatte ich zu Hause gelassen.

                           Lindau Hafeneinfahrt 

Nun ja, ich kam unkontrolliert rein und raus, musste also kein Bußgeld oder eine Passersatzgebühr bezahlen. Bregenz bzw. dessen Vorgänger sind sozusagen steinalt, bis 1500 vor Christus und war zur römischer Zeit sogar Stützpunkt einer Kriegsflotte! Im Dreißigjährigen Krieg gab es auf dem See "Seeschlachten", irre!
Die Landeshauptstadt Vorarlbergs ist vor allem durch ihre Seefestspiele im Sommer bekannt. Weniger bekannt ist
vielleicht, dass die Stadt eine ziemlich versteckt gelegene, mittelalterliche Oberstadt hat, zu der ich dank "E" entspannt hochradelte und ein wenig durch die dortigen Gassen fuhr.

Laut meinem Komoot-Navi war ich in der Oberstadt ohnehin richtig, denn Komoot lotste mich nun weiter den Berg hinauf und mal wieder ziemlich in die Wildnis. Eigentlich geht von Bregenz zur Passhöhe in Fluh im Bregenzerwald eine ganz normale Landstraße. Bei mir wurde aus einem Sträßchen mal wieder ein Feldweg und dann ein neudeutsch "Singeltrail", also schlicht Trampelpfad, der einen über einen skipistenartigen Hang steil nach oben führte und nur noch ein Radschieben zuließ. Wieder einmal stellte sich die Frage: Umkehren, also zunächst wieder runter vom Berg zurück nach Bregenz oder irgendwie durchschlagen?
Ich suchte mir auf der Navikarte meines Smartphones einen quer zum Berg verlaufenden Weg und traf schlussendlich auf einen normalen Forstweg, der noch eine Weile, wenn auch moderater bergauf ging und am Schluss auf die Landstraße von Bregenz nach Fluh, kurz unterhalb von Fluh (735) traf. Unterwegs legte ich mich zwecks Erholung auf eine Bank im Wald                                                                                                                                                                                                                      Stadttor Bregenz Oberstadt
und genoss das grüne Blätterdach über mir. So eine kleine Adventureeinlage lockert meine Radtouren immer wieder mal
ungemein auf! Büro und rumhocken hat man schließlich daheim genug!
Diesen Steckenabschnitt habe ich im Übrigen bei der Nachbearbeitung der Tour entfernt und auf die Landstraße zurückverlegt.

Oben von der Passhöhe (744) hatte ich eine sehr schönen Blick auf den Bregenzerwald und bis ins ferne Allgäu und dann ging es weiter, zurück nach Deutschland und zunächst bis nach Weiler (633) im Allgäu. Inzwischen war es Abend geworden, aber mit einer Übernachtung im Ort war es nix. Es fanden sich nur drei Übernachtungsmöglich-keiten. Eine Pension war belegt, ein gemütlicher bayerischer Gasthof ebenfalls und in einem größeren Hotel mit Spa habe ich gar nicht erst gefragt. Nun hat diese Jahreszeit ja den Vorteil, dass es nicht mehr so bald dunkel wird, also ging es weiter, der Abendsonne entgegen Richtung Wangen. In Heimenkirch gab es ebenfalls nix. Mein Akku ging zu Neige und in Meckatz hatte das Brauereilokal der gleichnamigen Brauerei keine Zimmer, aber einen Angestellten, der eine Oma in der Nähe hatte. Diese Oma betrieb bzw. betreibt einen Ferienbauernhof und hatte ein Zimmer für sagenhaft günstige € 27,00 frei. Den Betrag habe ich ich nach einem guten Frühstück am nächsten Morgen in Omas Küche ordentlich aufgerundet. Juchhu! Wieder mal gerettet und nicht in der Scheune übernachtet. Weniger originell fand ich es, dass besagtes Brauereilokal in Meckatz an einem Samstagabend schon um 20:30 Uhr die Küche zugemacht hatte und es gerade noch einen Wurstsalat gab. Nun ja....

 

3. Tag: Meckatz - Aulendorf 66 km
                    

 

Auch der nächste Tag war sonnig und weiter ging es durch die schöne,  hügelige, Allgäuer Landschaft nach Wangen (556).
Wangen ist ein ausgesprochen sehenswertes Städtchen. Kaum hatte ich die Innenstadt durch ein kleines Seitentor der Stadtmauer erreicht, gab es erst Mal ein großes Wassserrad einer ehemaligen Mühle zu sehen. In der Stadt dann viele alte, schön renovierte Häuser, teilweise mit Wandmalereien.
Ein Besuch der Stadt lohnt sich also wirklich.

 

                                
                            
                         Wangen Stadttor                                                    Wangen Haus Innenstadt
 

Weiter ging es ständig bergauf und bergab Richtung Ravensburg. Zwischendurch überlegte ich mir es aber anders, weil die Waldburg und der gleichnamige Ort (723) in der Nähe lagen und ich aus nostalgischen Gründen einfach dort vorbeiradeln wollte. Einst, so Ende der 60er, als es im Winter in der Regel ab mittlerer Höhenlage noch Schnee gab, fuhr ich öfters mit meinen Eltern zu einem kleinen Hang dort und dann trampelten wir uns mit den Skiern eine Abfahrpiste in den Schnee und rutschten ein wenig herum und das ohne Lift oder so.

Die Burg steht natürlich noch und grüßt in die Landschaft. Unter Kaiser Friedrích II.  wurden auf der Burg um 1220 herum sogar die Reichskleinodien aufbewahrt.

Die Fahrt nach Ravensburg wäre auf dem Heimweg nun ein Umweg gewesen und so radelte ich stattdessen hinunter ins Schussental in die Nachbarstadt nach Weingarten (485). Dort gab es in einem gemütlichen Biergarten erstmal ein Mittagessen. Dann folgte noch ein kurzer Abstecher zur Basilika Weingartens, eine der Höhepunkte  der der ober-schwäbischen Barockstraße. Die Gegend war bis zur Neuverteilung durch Napoleon (vorder-)österreichisch also katholisch.


 

Nach Weingarten suchte ich mir meinen Radweg möglichst dicht an der Schussen entlang und gelangte so im Altdorfer Wald (ehemaliger Name Weingartens) zum Bahnhof Durlesbach, bekannt aus der Lied mit der Schwäbsche Eisenbahne.
Ein netter Sponsor hat dort Bronzefiguren mit dem Schaffner, der Ziege und dem Bäuerle nebst alter Lok und Waggon aufstellen lassen und ein lokaler Förderverein hält das Ganze in Schuss. 

 


 

Weiter ging es auf einem etwas holperigen Waldweg durch die Waldesidylle an der Schussen bis kurz vor Aulendorf.
Dort überquerte ich die Schussen auf einer kleinen Brücke, eigentlich nicht für Radler gedacht, ebenso die Eisenbahn-strecke Ulm-Friedrichshafen und landete schlussendlich in Aulendorf (576). Das ist ein kleineres Örtchen mit Schloss und Therme, das man nicht unbedingt kennen muss, es sei denn, man hätte wie ich früher mal in der Gegend gelebt.
Ich besorgte mir die Fahrkarte für die Heimfahrt nach Göppingen. Anschließend stattete ich dem "Strandbad" am Steegersee noch einen Bade- und Kaffepausenbesuch ab und ließ die Radtour gemütlich ausklingen. Der See ist wie der benachbarte See in Altshausen ein Moorweiher und wenn man rauskommt riecht man leicht nach Karpfen oder so.
Ist aber wahrscheinlich gesund! Na ja, kannte ich auch noch von früher.

Danach ging´s zurück zum Bahnhof, ab in den Zug und nach Hause.

So liebe Radlerfreunde, das war mein Bericht über diese kleine Fronleichnamstour 2018.


Wer mir etwas zu dieser Seite schreiben will, kann mir gerne eine Email senden.

 

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